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Bloß nicht den Körper vergessen!

Was der Körper mit Ihren Gefühlen zu tun hat

 Im folgenden Artikel zeigen wir den Zusammenhang auf, wie Körper und Gehirn miteinander interagieren. Dabei greifen wir auf den Embodiment-Ansatz zurück, wie er von Dr. Maja Storch und Dr. Frank Krause geprägt wurde.

 

Die Frage, wie der Verstand mit dem Körper interagiert, wurde in der Neurowissenschaft in den letzten Jahren verstärkt erforscht. Die modernen Formen der Radiologie ermöglichen Bildgebungen von Gehirnaktivitäten, die wertvolle Erkenntnisse erbringen und Erstaunliches aufzeigen. 

 

Wir möchten den Leser einladen, jetzt an 

 

„Zimt“ 

 

zu denken. Bevor Sie weiterlesen. Stellen Sie sich selbst die Frage, was löst das Wort bei Ihnen aus? 

Im Bildgebungsverfahren konnte gezeigt werden, dass bei dem Wort direkt der Geruchssinn aktiviert wird. Stimmen Sie damit überein? Es ist der Geruch, der Zimt von anderen Gewürzen eindeutig unterscheidet. 

 

VERSTAND und ERFAHRUNGEN

Lange herrschte die Meinung vor, dass wir allein mit intensivem Nachdenken und Studieren zu den besten Entscheidungen kommen. Descartes prägte den Satz „Ich denke, also bin ich.“ Unbestritten ist unsere Fähigkeit zur Analyse und Auseinandersetzung mit komplexen theoretischen Sachverhalten eine großartige Leistung des menschlichen Neokortex – unserem Verstand. Aber seien Sie versichert, niemand von uns würde nur mit seinem Verstand überleben. Stattdessen verfügen wir neben anderen entscheidenden Gehirnbereichen, auch über das limbische System. All unsere Erinnerungen gehen durch diesen Speicher, daher spricht man auch vom emotionalen Erfahrungsgedächtnis. Hier sind unsere Emotionen und Gefühle zu Hause. Von hier kommt der schnelle Impuls, ob Sie beim Blick auf das Meer voll Glück seufzen oder gelangweilt sind. Wenn wir Sie nun einladen, an ein besonders intensives positives Ereignis zu denken, dann aktivieren Sie gerade jetzt diese Region Ihres Gehirns, um dieses wunderbare Gefühl zu suchen. Wenn es Ihnen gelungen ist, taucht ein Bild oder eine kurze Sequenz auf. Damit wurde das Ereignis abgespeichert. Und wenn Sie sich jetzt noch etwas tiefer in die Szene hineinbegeben, spüren Sie etwas. Vielleicht ein Lächeln. Wohlige Wärme im Bauch oder die Explosion der Freude hinter Ihren Ohren. Denn der Körper ist in der Lage allein aufgrund der Erinnerung zu reagieren. 

 

BAUCHGEFÜHL

Mit dem Begriff Bauchgefühl haben wir in unserem Sprachgebrauch bereits ein Wort geprägt, das die Parallele zwischen Gehirn und Körper aufzeigt. Denn unsere Gefühle und Emotionen sind im Gehirn abgespeichert. Zugleich hat unser Körper – der Bauch oder eben andere Körperregionen- einen entscheidenden Anteil daran, dass es zu einem Gefühl und Emotionen kommt. Dieses Zusammenspiel ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für uns.

Überlebenswichtig war es für einen bekannten Formel-1 Rennfahrer, als er aus einer dunklen Tunnelpassage herausfuhr und instinktiv nicht beschleunigte. Im Interview sagte er „Ich habe gespürt, dass etwas nicht stimmt. Es war so dunkel, als ich aus dem Tunnel fuhr.“ Was war passiert? Die Zuschauer auf der Tribüne wendeten dem Fahrer den Hinterkopf zu anstatt neugierig auf sein Auftauchen aus dem Tunnel zu schauen. Ihre Blicke und damit die hellen Gesichter waren stattdessen auf einen Unfall gerichtet, der sich nur einen Augenblick zuvor auf der Strecke ereignet hatte.

 

GEFÜHLE machen

Sicherlich kennen Sie das auch. Sie sehen einen Kollegen offensichtlich schlecht gelaunt bei der Arbeit . Die automatische Vermutung lautet mehr oder weniger in diesem Wortlaut „Da ist wohl etwas schiefgegangen.“ Woran machen Sie das fest, wenn Sie die Person doch nur sehen? Hier arbeitet wieder Ihr Emotionales Erfahrungsgedächtnis. Es schlussfolgert aus der Körperhaltung eine Stimmungslage des anderen. Tatsächlich ist ein negatives Ereignis eine Möglichkeit, warum jemand bereits in seiner Körperhaltung diese Emotion zum Ausdruck bringt. Sie können sich hier eine Kausalkette vorstellen. Weil etwas schiefgelaufen ist, hat die Person schlechte Laune und sitzt mit hängenden Schultern und verkniffenem Mund im Büro. Denn was immer der Kollege erlebt hat, löst Gefühle und Körperreaktionen aus. Wir als Beobachter nehmen diese Gefühlslage anhand der Körpersignale des anderen wahr.

Durch wissenschaftliche Forschungen wurde aber auch ein anderer Weg bewiesen. Tatsächlich sind wir nicht in der Lage Emotionen zu haben, die unserer Körperhaltung zuwiderlaufen. Es wird Ihnen nicht gelingen in einer zusammengesunkenen Pose (denken Sie hier gerne an den Esel Iah von Winnie Pooh, der stets traurig ist) ein echtes Glücksgefühl zu haben. Stattdessen werden Sie, wenn Sie diese Position eine Zeitlang selbst einnehmen, selbst Traurigkeit spüren. Es ist Ihnen also möglich durch eine bestimmte Körperhaltung eine Emotion auszulösen.

 

FAZIT

Für uns bedeutet das im Alltag, dass wir durch Mimik, Gestik und Körperhaltung tatsächlich in der Lage sind, Gefühle zu erzeugen. Wichtig ist dabei, dass es unsere ganz individuellen Bewegungen sind, die das ermöglichen. Beispielsweise wollen Sie sich auf eine Rede vorbereiten und überlegen sich, welche Körperhaltung für Sie da besondere Strahlkraft hat. Dabei fällt Ihnen beispielsweise Donald Trump ein. Wenn Sie nun während Ihrer Rede in seiner Körperhaltung im Konferenzraum Ihres Arbeitgebers stehen, misslingt das Ziel, sich selbst in eine selbstsichere Haltung zu bringen. Warum ist das so? Wenn wir andere imitieren, löst das keine authentischen Gefühle aus. Daher ist der Schlüssel, hier eine reale Situation aus dem eigenen Leben zu nehmen, und die eigenen Ressourcen zu aktivieren. Die gesuchte Stärke für eine berufliche Rede finden Sie möglicherweise in der Situation, wenn Sie selbstbewusst einer älteren Dame über die Straße helfen oder im Freundeskreis ein lockere und symphatischer Gastgeber sind.